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Erfolgstory – Elolo Avono (IPM 2020 III)

Ein Weg in die internationale Entwicklungszusammenarbeit

Manchmal beginnt ein beruflicher Weg nicht mit einem klaren Ziel, sondern mit einer Chance, die alles verändert.

Im Oktober 2020 startete ich meine Ausbildung am GNE Witzenhausen – und damit einen Weg, der mich Schritt für Schritt in die internationale Entwicklungszusammenarbeit geführt hat. Besonders prägend war mein Pflichtpraktikum bei der Christoffel-Blindenmission CBM e.V., das ich von Januar bis April 2021 absolvierte.

Zum ersten Mal wurde aus Theorie gelebte Praxis. Ich bekam Einblicke in die Arbeit einer internationalen Organisation, die sich weltweit für inklusive Entwicklung einsetzt. Die Zusammenarbeit mit Länderbüros, Partnerorganisationen und Projekten in unterschiedlichen Kontexten hat meinen Blick auf globale Verantwortung nachhaltig verändert – und mir gezeigt, wie viel Wirkung engagierte Projektarbeit haben kann.

Nach meiner Ausbildung durfte ich diesen Weg weitergehen und meine Kenntnisse bei der CBM im internationalen Projektmanagement vertiefen. Die Arbeit im Bereich Monitoring, Finanz- und Projektsteuerung sowie die enge Zusammenarbeit mit Partnern in West- und Zentralafrika haben mich fachlich wie persönlich stark geprägt. Besonders die Verantwortung für Qualität, Berichterstattungen an BMZ u.a und Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg wurde zu einem zentralen Bestandteil meiner Entwicklung.

Seit Januar 2025 bin ich Teil des Teams „Program Quality“ in der CBM e.V. mit Schwerpunkt Capacity Building für die weltweiten Landesbüros. Heute ist es meine Aufgabe, Strukturen zu stärken, Qualität weiterzuentwickeln und lokale Teams dabei zu unterstützen, nachhaltige Wirkung in ihren Projekten zu entfalten.

Wenn ich zurückblicke, sehe ich einen Weg, der durch viele Lernmomente, Herausforderungen und Chancen geprägt ist – und der mit der Ausbildung am GNE seinen Anfang nahm. Ohne diesen Startpunkt wäre meine heutige Arbeit in der internationalen Zusammenarbeit nicht möglich gewesen.

Erfolgstory – Marai El Fassi (KUR 2018 I)

Für einen gerechten Schutz natürlicher Lebensgrundlagen:

Internationales Lernen für Klimaanpassung und Ressourcengovernance

Die GNE wirkte für mich wie eine Brücke zwischen internationalem Lernen und angewandter ökosystembasierter Klimaanpassung

2018 kehrte ich nach mehreren Jahren internationaler Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit nach Deutschland zurück, zuletzt nach einem zweijährigen Einsatz in Peru zu den Themen Trinkwasserversorgung und Armutsreduktion. Zuvor hatte ich bereits mehrere Jahre an der Schnittstelle von integriertem Wasserressourcenmanagement, Klimaanpassung und Naturschutz in Honduras, Mali, Burkina Faso und den Niederlanden gearbeitet. Wichtig war dabei immer die Zusammenarbeit mit Communities und partizipative Ansätze in der Projektarbeit.

Die Weiterbildung zur Koordinatorin für Klimaschutz und Ressourcenmanagement bei der GNE war dafür die ideale Brücke zurück nach Deutschland. Sie erleichterte den beruflichen Wiedereinstieg und bot Zugang zu aktuellen Fachdebatten, institutionellen Strukturen und praxisnahen Methoden. Besonders prägend waren der Austausch mit den Teilnehmenden und das Leben auf dem Campus mit der Nähe zu Ansätzen regenerativer Landwirtschaft. Auch die Geschichte des Campus als ehemalige Deutsche Kolonialschule untermauerte eine kritische Reflexion über koloniale Kontinuitäten in der internationalen Zusammenarbeit, was meine Arbeit bis heute prägt.

Nach der Weiterbildung arbeitete ich in verschiedenen Positionen zu sozialer und ökologischer Gerechtigkeit: bei einem Berliner Think Tank zur ökosystembasierten Klimaanpassung in Guatemala, bei KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit zu Hitzeschutz und Klimaanpassung sowie bei der Bundesstiftung Gleichstellung zur sozial-ökologischen Transformation.

Heute bin ich selbstständig als Beraterin für Klimaanpassung und nachhaltige Ressourcengovernance tätig (LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/maraielfassi/). Mit über zwölf Jahren Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit unterstütze ich Evaluationen, Analysen und Forschung zu Klimaresilienz, Wasserressourcenmanagement und naturbasierten Lösungen. Ich versuche partizipative Ansätze umzusetzen und gehe der Frage nach, wie marginalisierte Perspektiven stärker in Entscheidungsprozesse und globale Klimadiskurse einbezogen werden können.

Die Weiterbildung bei der GNE war für mich eine wichtige Brücke zwischen internationaler Erfahrung und neuen beruflichen Gestaltungsmöglichkeiten in Deutschland.

Erfolgstory – Liyanda Seither (IPM 2016 I)

The Training That Turned Aspiration into Practice in Development Cooperation

“The knowledge, methods and skills I gained through the IPM training remain extremely relevant.

I continue to apply them in my work to this day.”

My commitment to contributing to the fight against extreme poverty has been shaped over many years, rooted most fundamentally in growing up between two contrasting realities: on the one hand Jamaica, where I became aware of the diverse and multifaceted challenges faced by a developing country; on the other hand Germany, where I encountered the opportunities associated with a comparatively prosperous society. This contrast not only broadened my perspective, but also deepened my determination to contribute to equitable and sustainable development through a meaningful professional path in the sector.

After completing my studies in international economics and development and gaining experience through several temporary and voluntary assignments, I was seeking to further strengthen my profile and transition into sustained professional practice. The Coordinator in International Project Management (IPM) training at Gesellschaft für Nachhaltige Entwicklung (GNE) provided exactly that opportunity. The programme enabled me to deepen my sector-specific knowledge, develop practical competencies in project management for development cooperation and humanitarian assistance, and benefit from a learning environment that was both professionally rigorous and closely aligned with the realities of the field.

Alongside technical knowledge, the training strengthened essential communication, presentation and interpersonal skills that have remained highly relevant throughout my career. Its practical orientation allowed me to apply what I had learned immediately when I joined World Vision as an intern. From the outset, I was able to contribute to research, knowledge management, technical advisory work, and project management-related quality assurance, drawing directly on methods and approaches acquired during the IPM training. As my responsibilities expanded, these foundations continued to support my work in project design and proposal development, grant and partnership management, stakeholder engagement, as well as the facilitation of effective collaboration and capacity strengthening across teams and partners.

Over time, this initial professional step developed into more than ten years of experience in project management and strategic collaboration across the East and Southern Africa region. In my roles, I have coordinated complex multi-country and multi-stakeholder portfolios, contributed to project design and funding proposals, strengthened quality assurance and learning processes, and represented the organisation in engagement with donors and external stakeholders.

The competencies I gained through the IPM training continue to inform my work to this day, whether in the use of problem and solution trees during project design, the development and refinement of logframes and M&E plans, the participatory development and implementation of project work plans, delivering presentations for internal and external audiences, or capacity building and knowledge-sharing with colleagues and partners.

Looking back, the GNE IPM training was a formative and rewarding investment in my professional development. It provided a strong foundation not only for entering the sector, but also for taking on increasing responsibility, contributing at a strategic level, and building a career that continues to be both personally fulfilling and rooted in the pursuit of positive socio-economic impact.

From Strategy to Practice in Romania and the Czech Republic

As the Empowering Local Climate Action (ELCA) project ends, one key insight stands out: effective climate policy in Europe is ultimately decided at the local level. While national and EU strategies provide direction, their real impact depends on how they are translated into concrete action within municipalities, administrations, and civil society. ELCA brought together partners from Romania and the Czech Republic over more than two years to address a persistent gap between strategic ambition and practical implementation. Rather than remaining at a conceptual level, the project focused on building functioning systems for local climate governance, combining capacity building, institutional development, participatory processes, and real pilot actions.

by Tereza Ocetková (PIN), Cristina Halbac (UPT), Viola Helwig (GNE)

Read more: https://www.euki.de/from-strategy-to-practice-in-romania-and-the-czech-republic/

Neue Perspektiven, starke Kontakte und frischer Input direkt aus dem Herzen der europäischen Klimapolitik

Kurzbericht – EUKI Projekt ELCA (PIN 53/2026)

European Climate Pact – „Together in Action“, Brüssel (23.–25.03.2026)

Im Rahmen des EUKI-Projekts ELCA nahm das dreiköpfige PIN-Team am European Climate Pact in Brüssel teil.
Ziel war es, europäische Klimapolitik aus erster Hand mitzuerleben, neue Impulse mitzunehmen und das Netzwerk auf EU-Ebene zu stärken.

Die dreitägige Konferenz im Herzen der EU-Kommission bot ein intensives Programm aus Panels, Workshops und interaktiven Formaten.
Im Fokus standen aktuelle Klimapolitik der EU, Klimaanpassung, Resilienz, der Kampf gegen Desinformation sowie die Rolle von Städten, Gemeinden und Bürger*innen in der Transformation.

Besonders prägend waren praxisnahe Sessions zu Energie-Communities, nachhaltiger Landwirtschaft, Klimakommunikation und der Bekämpfung von Greenwashing.
Ergänzt wurde das Programm durch starke politische Debatten mit EU-Institutionen sowie innovative Beteiligungsformate.

Ein eindrücklicher Bezugspunkt war die Diskussion zu den Starkregenereignissen in Valencia 2024, die die Dringlichkeit von Klimaanpassung und funktionierenden Governance-Strukturen deutlich machte. Neben dem inhaltlichen Programm bot die Veranstaltung zahlreiche Möglichkeiten für Networking mit Akteuren aus ganz Europa und stärkte die Einbindung des ELCA-Projekts in die europäische Klimaszene.
https://climate-pact.europa.eu/index_en

Gemeinwohl sichtbar machen

Neue Perspektiven für die Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis und anderswo

25. Juni 19 Uhr im Rathaussaal Witzenhausen

Was leistet Landwirtschaft für Gesellschaft und Region jenseits von Marktpreisen und Erträgen?

Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, gute Arbeit, regionale Wertschöpfung und soziale Verantwortung sind zentrale Beiträge zum Gemeinwohl, bleiben jedoch oft unsichtbar und werden kaum vergütet.

In einem fachlichen Impuls stellt Christian Hiß, Gründer der Regionalwert AG, vor, wie sich ökologische, soziale und ökonomische Leistungen der Landwirtschaft mit dem Ansatz Regionalwert systematisch erfassen und in Wert setzen lassen.

Im Anschluss diskutieren Publikum lokale Expert:innen, welche konkreten Chancen sich daraus für Landwirtschaft, Kommunen und Gesellschaft im Werra-Meißner-Kreis und darüber hinaus ergeben.

Mit dabei:

Christian Hiß, Gründer der Regionalwert AG

Prof. Dr. Bettina König, Fachgebietsleiterin Nachhaltigkeitsmanagement in der internationalen Ernährungswirtschaft der Universität Kassel

Hans-Jürgen Müller, Mitglied des Hessischen Landtags und Landwirt

Ines Wollschak, Geschäftsführerin Markthalle Werra-Meißner

 

Veranstalter: Zentrum für Ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Regionalentwicklung e.V.

ELCA-Studienreise nach Niederösterreich und Wien: Klimaschutz gemeinsam gestalten

Im Rahmen des ELCA-Projekts der European Climate Initiative (EUKI) fand am 19. und 20. März eine zweitägige Studienreise nach Niederösterreich und Wien statt.
Ziel der Exkursion war es, praxisnahe Einblicke in kommunale Klimaschutzmaßnahmen, nachhaltige Stadtentwicklung sowie innovative Ansätze im Bereich erneuerbare Energien zu gewinnen.
Die Studienreise wurde vom tschechischen Projektpartner People in Need organisiert, während das Team Adapterra der Stiftung Partnerschaft die inhaltliche Gestaltung übernahm. Teilgenommen haben vor allem Stakeholder aus der südmährischen Region – darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kleiner Gemeinden, Mitarbeitende aus Verwaltung, Grünflächenmanagement und Regionalentwicklung sowie Vertreterinnen verschiedener NGOs.

Die Reise begann am Donnerstagmorgen mit der gemeinsamen Anreise aus Hodonín und Břeclav. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde führte die erste Station nach Mistelbach. Dort stellte der KLAR!-Manager Johannes Selinger die regionale Klimawandel-Anpassungsstrategie vor. Besonders im Fokus standen konkrete Maßnahmen wie ein „grüner“ Busbahnhof sowie Begrünungskonzepte nach dem Prinzip der Schwammstadt, die zur Verbesserung des Mikroklimas und zur besseren CO2 und Wasserspeicherung beitragen.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe Wolkersdorf im Weinviertel, eine Gemeinde, die seit über 30 Jahren konsequent auf erneuerbare Energien setzt. Unter der Leitung von Gemeinderat Christian Schrefel erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die lokale Energieinfrastruktur, darunter eine Windkraftanlage, Photovoltaikanlagen sowie die Kläranlage. Wolkersdorf gilt heute als Energiepionier in Österreich: Bereits seit den 1990er Jahren investiert die Gemeinde in Windenergie und Biomasse, während in den letzten Jahren der Ausbau der Photovoltaik stark vorangetrieben wurde. Bis 2030 sollen 15 MWp installiert werden – ein Ziel, das bereits zu rund 86 % erreicht ist.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die aktive Einbindung der Bevölkerung. Durch Bürgerbeteiligungsmodelle, etwa bei gemeinschaftlich finanzierten Solaranlagen, konnten bereits über 300 Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden. Ergänzend dazu wurde 2022 eine lokale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft gegründet, die seit 2023 Strom aus Photovoltaik und Windenergie regional verteilt. Mit dem politischen Beschluss, bis 2040 klimaneutral zu werden, verfolgt Wolkersdorf einen integrierten Ansatz, der Energieproduktion, Speicherung, Beratung und Bürgerbeteiligung miteinander verbindet.

Bild: Gut genutzt und fair bepreist:
die E-Tankstelle in Wolkersdorf im Weinviertel.

Am späten Nachmittag führte die Exkursion weiter nach Böheimkirchen, wo ein innovatives Beispiel nachhaltiger Flächennutzung vorgestellt wurde. Ein begrünter Schutzstreifen mit Naturgarten entlang von Wohnanlagen – ehemals landwirtschaftlich genutzt – zeigt, wie ökologische Aufwertung und Aufenthaltsqualität im Siedlungsraum miteinander verbunden werden können. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen und intensivem fachlichen Austausch.

Der zweite Tag begann mit einem weiteren Projekt in Böheimkirchen/Michelbach, bei dem die Revitalisierung eines Baches mit der Schaffung von Retentionsflächen sowie einer Erholungs- und Kühlzone kombiniert wurde. Solche Maßnahmen gewinnen angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse zunehmend an Bedeutung.

Bild: Großzügig angelegte Retentionsräume am Michelbach in Niederösterreich

 

Bild: Künstliche Mäandrierung oder Laufaufweitung mit Strukturelementen

Anschließend reiste die Gruppe nach Vienna. In Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Wien fand ein geführter Stadtspaziergang statt, bei dem verschiedene Maßnahmen zur klimafitten Stadtentwicklung vorgestellt wurden. Vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße bis zum Esterházypark erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Pflege und Bewässerung von Straßenbäumen, die Nutzung von Regenwasser sowie die Gestaltung urbaner Kühlräume.

Bild: Grüne Infrastruktur in Wien: Frühling und Klimaanpassung im urbanen Raum

Weitere praxisnahe Beispiele boten Projekte zur Förderung der Biodiversität im städtischen Raum. Dazu zählen Bürgerpflanzungen entlang von Straßen sowie sogenannte „Mini-Wälder“, die zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen, CO₂ binden und neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Bild: Erkundung eines städtischen Mini-Wäldchens in Wien – ein Beitrag zu grünen Oasen und Artenvielfalt

Am späten Nachmittag trat die Gruppe die Rückreise nach Břeclav und Hodonín an.

Fazit:
Die Studienreise verdeutlichte eindrucksvoll, wie vielfältig kommunale Ansätze im Klimaschutz und in der Klimaanpassung sein können. Besonders deutlich wurde die Bedeutung integrierter Strategien, die technische Lösungen mit Bürgerbeteiligung und langfristiger Planung verbinden. Der Austausch zwischen den Teilnehmenden sowie die praxisnahen Beispiele vor Ort lieferten wertvolle Impulse für die weitere Zusammenarbeit im Rahmen des ELCA-Projekts und darüber hinaus.

Zwischen Tornado und Transformationslabor

Wie ELCA in Rumänien und Tschechien zwei unterschiedliche Wege der Klimatransformation eröffnete
Eine Impact-Story aus der Perspektive der Projektleitung

Wenn man Transformationsforschung ernst nimmt, darf man Projekte nicht als Maßnahmenpakete denken – sondern als Möglichkeitsräume.
Als wir ELCA konzipierten, war die Ausgangsfrage nicht:
Welche Aktivitäten setzen wir um?
Sondern:
Welche Strukturen brauchen Kommunen, um langfristig handlungsfähig zu werden – auch wenn Förderprogramme enden, politische Mehrheiten wechseln oder Krisen die Agenda verschieben?

ELCA wurde deshalb nicht als Eventprojekt, sondern als Transformationsarchitektur entworfen.
Und diese Architektur wurde in zwei sehr unterschiedlichen Kontexten getestet:
in der post-katastrophischen Landschaft Südmährens – und im politisch volatilen, institutionell fragmentierten Kontext Rumäniens.
Beide Länder wurden damit zu lebendigen Reallaboren für unterschiedliche Transformationspfade.

Zwei Länder – ein Spektrum möglicher Umsetzungsszenarien
Ich sehe ELCA heute als Spektrum zwischen zwei Polen:
Rumänien: Institutionalisierung unter politischer Instabilität
Tschechien: Resilienzaufbau im Post-Krisen-Territorium
Beide Wege sind nicht Gegensätze. Sie sind zwei Ausprägungen desselben Transformationsprozesses.

Tschechien: Transformation als Wiederaufbau
Als wir in Podluží, Südmähren starteten, war die Landschaft noch gezeichnet vom Tornado 2021.
Doch die sichtbare Zerstörung war nur die Spitze eines viel älteren Problems: Dürre, Bodenerosion, Landschaftsentleerung.

Hier stellte sich Transformation nicht als abstrakte Zukunftsvision, sondern als sehr konkrete Frage:
Wie bauen wir so wieder auf, dass wir nicht nur reparieren, sondern resilienter werden?
In Tschechien entstand ELCA als praxisnahes Dreieck:
1. Menschen qualifizieren (Klimaschutzmanager:innen)
2. Konkrete Fahrpläne entwickeln (Klimaschutzaktionspläne)
3. Einen physischen Anker schaffen (Climate Community Center)

Was mich besonders beeindruckt hat: Der Wiederaufbau wurde zu einem mentalen Wendepunkt.
Kommunalpolitiker:innen begannen, Investitionen nicht nur nach Kosten zu bewerten, sondern nach ihrer Wirkung auf die territoriale Resilienz.
Hier wurde Transformation greifbar. Nicht ideologisch. Nicht abstrakt. Sondern in Regenwasserrückhalt, Baumpflanzungen, Schattenplätzen, Energieeffizienz.
Tschechien steht im ELCA-Spektrum für:
•             praxisorientierte Implementierung
•             kommunale Selbstermächtigung
•             Transformation durch konkrete territoriale Erfahrung

Es ist das Szenario: „Resilienz entsteht aus der Krise.“

Rumänien: Transformation durch Institutionalisierung
Rumänien war ein anderer Kontext.
Hier war die zentrale Herausforderung nicht ein einzelnes Extremereignis – sondern strukturelle Fragmentierung, politische Volatilität und fehlende Governance-Verankerung.
Während wir arbeiteten, wurden Präsidentschaftswahlen annulliert. Vertrauen in Institutionen war brüchig.
In einem solchen Umfeld bedeutet Transformation zunächst: Strukturen schaffen, die politisches Rauschen überleben.
Deshalb wurde ELCA in Rumänien anders wirksam:
•  Ausbildung spezialisierter Klimamanager:innen als professioneller Kern
•  Gründung des Climate Action Support Center (CASC)
•   Einrichtung eines Climate Council als dauerhafte Governance-Plattform
Hier ging es weniger um einzelne Pilotmaßnahmen, sondern um die Frage:
Wie baut man institutionelle Resilienz?
Die Universität wurde zum Klimahub. Wissenschaft wurde nicht nur Wissenslieferant, sondern Governance-Akteur.
Rumänien steht im ELCA-Spektrum für:
• institutionelle Verankerung
• Multi-Level-Governance
• Aufbau dauerhafter Entscheidungsstrukturen

Es ist das Szenario: „Resilienz entsteht durch Institutionen.“

Was beide Länder verbindet: Die Architektur dahinter
Ob Tornadoregion oder politisch instabiler Kontext – die zugrunde liegende Transformationslogik war identisch. ELCA basiert auf drei systemischen Bausteinen:
1. Menschen – Ohne qualifizierte Akteur:innen bleibt Klimapolitik Papier.
Klimamanager:innen wurden zu Übersetzer:innen zwischen EU-Zielen und kommunaler Realität.
2. Instrumente – Klimaschutzaktionspläne waren keine Strategiepapiere für die Schublade, sondern Entscheidungswerkzeuge mit Priorisierung, Finanzierungslogik und Umsetzbarkeit.
3. Räume – CASC in Rumänien. Climate Community Center in Tschechien.
Physische und institutionelle Orte, die Diskontinuität verhindern.

Transformation als Spannungsfeld
Aus der Projektplanung habe ich gelernt:
Transformation verläuft nicht linear. Sie bewegt sich im Spannungsfeld von:
• politischer Unsicherheit
• administrativer Überlastung
• öffentlicher Skepsis
• und struktureller Trägheit
In beiden Ländern begegneten wir:
• begrenzten kommunalen Kapazitäten
• konkurrierenden Interessen in der Landschaft
• Desinformation
Doch gerade hier zeigte sich die Stärke des Designs: ELCA setzte nicht auf schnelle Symbolpolitik, sondern auf strukturelle Tiefenwirkung.

Das eigentliche Impact-Level
Wenn ich heute gefragt werde, was der größte Impact war, dann antworte ich nicht mit der Zahl der Workshops oder Aktionspläne.
Der größte Impact ist:
• dass Klimaschutz in beiden Kontexten von einem externen Projekt zu einem internen Thema wurde;
• dass Kommunen beginnen, Investitionen mit Resilienz zu verknüpfen;
• dass Governance-Strukturen entstanden sind, die politisches Wechselspiel überdauern können.

In Rumänien wurde ein institutionelles Rückgrat geschaffen. In Tschechien wurde territoriale Resilienz praktisch erprobt.
Gemeinsam zeigen beide Länder: Transformation ist kein Einheitsmodell. Sie ist ein Spektrum.

ELCA als Replikationsmodell
Aus transformationswissenschaftlicher Perspektive lässt sich ELCA als modularer Baukasten beschreiben:
• Modul A: Kompetenzaufbau
• Modul B: Operative Planung
• Modul C: Institutionelle Verankerung
Je nach Kontext kann ein Land stärker mit einem Modul beginnen.
• Krisenkontext? → Praxisnahe Resilienzmaßnahmen.
• Governance-Defizit? → Institutionelle Infrastruktur zuerst.

Diese Flexibilität ist die eigentliche Innovationsleistung des Projekts.

Persönliche Reflexion
Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, sehe ich keine lineare Erfolgsgeschichte.
Ich sehe Dynamik. Reibung. Lernschleifen. Momente des Zweifelns – und Momente, in denen plötzlich etwas kippt.
Transformation passiert nicht geräuschlos. Aber sie passiert auch nicht als Schlagzeile.
Sie entsteht dort, wo Menschen beginnen, anders zu handeln.

Ich habe erlebt, wie aus vorsichtigen Gesprächen entschlossene Strategien wurden.
Wie aus Einzelakteur:innen Netzwerke entstanden. Wie aus Skepsis gemeinsame Energie wurde.
Und ich sehe heute eine enorme Durchschlagskraft – nicht, weil wir besonders laut waren, sondern weil wir Strukturen mitverändert haben.
Wenn ein Bürgermeister bei jeder Investitionsentscheidung automatisch fragt: „Wie wirkt sich das auf Wasserretention und Hitzeminderung aus?“
Wenn eine Universität sich nicht mehr nur als Wissensproduzentin versteht, sondern als aktiver Klimahub ihrer Region.
Wenn Kommunen beginnen, voneinander zu lernen, statt isoliert nebeneinander zu arbeiten.
Dann ist das kein Projektoutput mehr. Dann ist das kultureller Wandel.

Was mich am meisten beeindruckt, ist die gemeinsam generierte Energie.
Eine kollektive Kraft, die entsteht, wenn Menschen merken: Wir sind nicht allein mit dieser Aufgabe.
In Rumänien und in Tschechien habe ich erlebt, wie sich Verantwortungsgefühl multipliziert.
Wie sich Motivation überträgt. Wie Handlungsfähigkeit ansteckend wird.
Das ist die eigentliche Transformationskraft.
ELCA war nie nur ein Projekt. Es war ein Resonanzraum.
Ein Raum, in dem Ideen auf Praxis trafen. In dem Wissenschaft auf Verwaltung traf. In dem Krise auf Gestaltungswillen traf.
Und genau dort liegt der Impact. Nicht in der Projektlaufzeit. Nicht im Förderzeitraum.
Sondern in der strukturellen Verschiebung, die bleibt.
In Routinen, die sich verändert haben. In Netzwerken, die weiterarbeiten.
ELCA ist keine abgeschlossene Geschichte. Es ist ein System, das in Bewegung geraten ist.

Viola Helwig
– Project Management –
Dipl. Agr.-Biol.;
Internationale Projekte

ELCA: Climate Action and Resilience through Nature-Based Solutions

Europe is in the midst of a decade of profound climatic, ecological, and social transformations. Climate change, biodiversity loss, and increasing pressures on urban and rural infrastructures demand solutions that are more sustainable, effective, and equitable than those of the past. Within this complex context, EUKI project ELCA positions itself as a empowering hub at the intersection of climate policy, practical innovation, and local implementation capacity. ELCA brings together experts, municipalities, research institutions, and local stakeholders with the goal of rethinking climate action management for the long term – practice-oriented, evidence-based, and deeply embedded in regional structures.

by Viola Helwig, GNE

Read more: ELCA: Climate Action and Resilience through Nature-Based Solutions – EUKI