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ELCA-Studienreise nach Niederösterreich und Wien: Klimaschutz gemeinsam gestalten

Im Rahmen des ELCA-Projekts der European Climate Initiative (EUKI) fand am 19. und 20. März eine zweitägige Studienreise nach Niederösterreich und Wien statt.
Ziel der Exkursion war es, praxisnahe Einblicke in kommunale Klimaschutzmaßnahmen, nachhaltige Stadtentwicklung sowie innovative Ansätze im Bereich erneuerbare Energien zu gewinnen.
Die Studienreise wurde vom tschechischen Projektpartner People in Need organisiert, während das Team Adapterra der Stiftung Partnerschaft die inhaltliche Gestaltung übernahm. Teilgenommen haben vor allem Stakeholder aus der südmährischen Region – darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kleiner Gemeinden, Mitarbeitende aus Verwaltung, Grünflächenmanagement und Regionalentwicklung sowie Vertreterinnen verschiedener NGOs.

Die Reise begann am Donnerstagmorgen mit der gemeinsamen Anreise aus Hodonín und Břeclav. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde führte die erste Station nach Mistelbach. Dort stellte der KLAR!-Manager Johannes Selinger die regionale Klimawandel-Anpassungsstrategie vor. Besonders im Fokus standen konkrete Maßnahmen wie ein „grüner“ Busbahnhof sowie Begrünungskonzepte nach dem Prinzip der Schwammstadt, die zur Verbesserung des Mikroklimas und zur besseren CO2 und Wasserspeicherung beitragen.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe Wolkersdorf im Weinviertel, eine Gemeinde, die seit über 30 Jahren konsequent auf erneuerbare Energien setzt. Unter der Leitung von Gemeinderat Christian Schrefel erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die lokale Energieinfrastruktur, darunter eine Windkraftanlage, Photovoltaikanlagen sowie die Kläranlage. Wolkersdorf gilt heute als Energiepionier in Österreich: Bereits seit den 1990er Jahren investiert die Gemeinde in Windenergie und Biomasse, während in den letzten Jahren der Ausbau der Photovoltaik stark vorangetrieben wurde. Bis 2030 sollen 15 MWp installiert werden – ein Ziel, das bereits zu rund 86 % erreicht ist.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die aktive Einbindung der Bevölkerung. Durch Bürgerbeteiligungsmodelle, etwa bei gemeinschaftlich finanzierten Solaranlagen, konnten bereits über 300 Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden. Ergänzend dazu wurde 2022 eine lokale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft gegründet, die seit 2023 Strom aus Photovoltaik und Windenergie regional verteilt. Mit dem politischen Beschluss, bis 2040 klimaneutral zu werden, verfolgt Wolkersdorf einen integrierten Ansatz, der Energieproduktion, Speicherung, Beratung und Bürgerbeteiligung miteinander verbindet.

Bild: Gut genutzt und fair bepreist:
die E-Tankstelle in Wolkersdorf im Weinviertel.

Am späten Nachmittag führte die Exkursion weiter nach Böheimkirchen, wo ein innovatives Beispiel nachhaltiger Flächennutzung vorgestellt wurde. Ein begrünter Schutzstreifen mit Naturgarten entlang von Wohnanlagen – ehemals landwirtschaftlich genutzt – zeigt, wie ökologische Aufwertung und Aufenthaltsqualität im Siedlungsraum miteinander verbunden werden können. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen und intensivem fachlichen Austausch.

Der zweite Tag begann mit einem weiteren Projekt in Böheimkirchen/Michelbach, bei dem die Revitalisierung eines Baches mit der Schaffung von Retentionsflächen sowie einer Erholungs- und Kühlzone kombiniert wurde. Solche Maßnahmen gewinnen angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse zunehmend an Bedeutung.

Bild: Großzügig angelegte Retentionsräume am Michelbach in Niederösterreich

 

Bild: Künstliche Mäandrierung oder Laufaufweitung mit Strukturelementen

Anschließend reiste die Gruppe nach Vienna. In Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Wien fand ein geführter Stadtspaziergang statt, bei dem verschiedene Maßnahmen zur klimafitten Stadtentwicklung vorgestellt wurden. Vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße bis zum Esterházypark erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Pflege und Bewässerung von Straßenbäumen, die Nutzung von Regenwasser sowie die Gestaltung urbaner Kühlräume.

Bild: Grüne Infrastruktur in Wien: Frühling und Klimaanpassung im urbanen Raum

Weitere praxisnahe Beispiele boten Projekte zur Förderung der Biodiversität im städtischen Raum. Dazu zählen Bürgerpflanzungen entlang von Straßen sowie sogenannte „Mini-Wälder“, die zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen, CO₂ binden und neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Bild: Erkundung eines städtischen Mini-Wäldchens in Wien – ein Beitrag zu grünen Oasen und Artenvielfalt

Am späten Nachmittag trat die Gruppe die Rückreise nach Břeclav und Hodonín an.

Fazit:
Die Studienreise verdeutlichte eindrucksvoll, wie vielfältig kommunale Ansätze im Klimaschutz und in der Klimaanpassung sein können. Besonders deutlich wurde die Bedeutung integrierter Strategien, die technische Lösungen mit Bürgerbeteiligung und langfristiger Planung verbinden. Der Austausch zwischen den Teilnehmenden sowie die praxisnahen Beispiele vor Ort lieferten wertvolle Impulse für die weitere Zusammenarbeit im Rahmen des ELCA-Projekts und darüber hinaus.

Zwischen Tornado und Transformationslabor

Wie ELCA in Rumänien und Tschechien zwei unterschiedliche Wege der Klimatransformation eröffnete
Eine Impact-Story aus der Perspektive der Projektleitung

Wenn man Transformationsforschung ernst nimmt, darf man Projekte nicht als Maßnahmenpakete denken – sondern als Möglichkeitsräume.
Als wir ELCA konzipierten, war die Ausgangsfrage nicht:
Welche Aktivitäten setzen wir um?
Sondern:
Welche Strukturen brauchen Kommunen, um langfristig handlungsfähig zu werden – auch wenn Förderprogramme enden, politische Mehrheiten wechseln oder Krisen die Agenda verschieben?

ELCA wurde deshalb nicht als Eventprojekt, sondern als Transformationsarchitektur entworfen.
Und diese Architektur wurde in zwei sehr unterschiedlichen Kontexten getestet:
in der post-katastrophischen Landschaft Südmährens – und im politisch volatilen, institutionell fragmentierten Kontext Rumäniens.
Beide Länder wurden damit zu lebendigen Reallaboren für unterschiedliche Transformationspfade.

Zwei Länder – ein Spektrum möglicher Umsetzungsszenarien
Ich sehe ELCA heute als Spektrum zwischen zwei Polen:
Rumänien: Institutionalisierung unter politischer Instabilität
Tschechien: Resilienzaufbau im Post-Krisen-Territorium
Beide Wege sind nicht Gegensätze. Sie sind zwei Ausprägungen desselben Transformationsprozesses.

Tschechien: Transformation als Wiederaufbau
Als wir in Podluží, Südmähren starteten, war die Landschaft noch gezeichnet vom Tornado 2021.
Doch die sichtbare Zerstörung war nur die Spitze eines viel älteren Problems: Dürre, Bodenerosion, Landschaftsentleerung.

Hier stellte sich Transformation nicht als abstrakte Zukunftsvision, sondern als sehr konkrete Frage:
Wie bauen wir so wieder auf, dass wir nicht nur reparieren, sondern resilienter werden?
In Tschechien entstand ELCA als praxisnahes Dreieck:
1. Menschen qualifizieren (Klimaschutzmanager:innen)
2. Konkrete Fahrpläne entwickeln (Klimaschutzaktionspläne)
3. Einen physischen Anker schaffen (Climate Community Center)

Was mich besonders beeindruckt hat: Der Wiederaufbau wurde zu einem mentalen Wendepunkt.
Kommunalpolitiker:innen begannen, Investitionen nicht nur nach Kosten zu bewerten, sondern nach ihrer Wirkung auf die territoriale Resilienz.
Hier wurde Transformation greifbar. Nicht ideologisch. Nicht abstrakt. Sondern in Regenwasserrückhalt, Baumpflanzungen, Schattenplätzen, Energieeffizienz.
Tschechien steht im ELCA-Spektrum für:
•             praxisorientierte Implementierung
•             kommunale Selbstermächtigung
•             Transformation durch konkrete territoriale Erfahrung

Es ist das Szenario: „Resilienz entsteht aus der Krise.“

Rumänien: Transformation durch Institutionalisierung
Rumänien war ein anderer Kontext.
Hier war die zentrale Herausforderung nicht ein einzelnes Extremereignis – sondern strukturelle Fragmentierung, politische Volatilität und fehlende Governance-Verankerung.
Während wir arbeiteten, wurden Präsidentschaftswahlen annulliert. Vertrauen in Institutionen war brüchig.
In einem solchen Umfeld bedeutet Transformation zunächst: Strukturen schaffen, die politisches Rauschen überleben.
Deshalb wurde ELCA in Rumänien anders wirksam:
•  Ausbildung spezialisierter Klimamanager:innen als professioneller Kern
•  Gründung des Climate Action Support Center (CASC)
•   Einrichtung eines Climate Council als dauerhafte Governance-Plattform
Hier ging es weniger um einzelne Pilotmaßnahmen, sondern um die Frage:
Wie baut man institutionelle Resilienz?
Die Universität wurde zum Klimahub. Wissenschaft wurde nicht nur Wissenslieferant, sondern Governance-Akteur.
Rumänien steht im ELCA-Spektrum für:
• institutionelle Verankerung
• Multi-Level-Governance
• Aufbau dauerhafter Entscheidungsstrukturen

Es ist das Szenario: „Resilienz entsteht durch Institutionen.“

Was beide Länder verbindet: Die Architektur dahinter
Ob Tornadoregion oder politisch instabiler Kontext – die zugrunde liegende Transformationslogik war identisch. ELCA basiert auf drei systemischen Bausteinen:
1. Menschen – Ohne qualifizierte Akteur:innen bleibt Klimapolitik Papier.
Klimamanager:innen wurden zu Übersetzer:innen zwischen EU-Zielen und kommunaler Realität.
2. Instrumente – Klimaschutzaktionspläne waren keine Strategiepapiere für die Schublade, sondern Entscheidungswerkzeuge mit Priorisierung, Finanzierungslogik und Umsetzbarkeit.
3. Räume – CASC in Rumänien. Climate Community Center in Tschechien.
Physische und institutionelle Orte, die Diskontinuität verhindern.

Transformation als Spannungsfeld
Aus der Projektplanung habe ich gelernt:
Transformation verläuft nicht linear. Sie bewegt sich im Spannungsfeld von:
• politischer Unsicherheit
• administrativer Überlastung
• öffentlicher Skepsis
• und struktureller Trägheit
In beiden Ländern begegneten wir:
• begrenzten kommunalen Kapazitäten
• konkurrierenden Interessen in der Landschaft
• Desinformation
Doch gerade hier zeigte sich die Stärke des Designs: ELCA setzte nicht auf schnelle Symbolpolitik, sondern auf strukturelle Tiefenwirkung.

Das eigentliche Impact-Level
Wenn ich heute gefragt werde, was der größte Impact war, dann antworte ich nicht mit der Zahl der Workshops oder Aktionspläne.
Der größte Impact ist:
• dass Klimaschutz in beiden Kontexten von einem externen Projekt zu einem internen Thema wurde;
• dass Kommunen beginnen, Investitionen mit Resilienz zu verknüpfen;
• dass Governance-Strukturen entstanden sind, die politisches Wechselspiel überdauern können.

In Rumänien wurde ein institutionelles Rückgrat geschaffen. In Tschechien wurde territoriale Resilienz praktisch erprobt.
Gemeinsam zeigen beide Länder: Transformation ist kein Einheitsmodell. Sie ist ein Spektrum.

ELCA als Replikationsmodell
Aus transformationswissenschaftlicher Perspektive lässt sich ELCA als modularer Baukasten beschreiben:
• Modul A: Kompetenzaufbau
• Modul B: Operative Planung
• Modul C: Institutionelle Verankerung
Je nach Kontext kann ein Land stärker mit einem Modul beginnen.
• Krisenkontext? → Praxisnahe Resilienzmaßnahmen.
• Governance-Defizit? → Institutionelle Infrastruktur zuerst.

Diese Flexibilität ist die eigentliche Innovationsleistung des Projekts.

Persönliche Reflexion
Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, sehe ich keine lineare Erfolgsgeschichte.
Ich sehe Dynamik. Reibung. Lernschleifen. Momente des Zweifelns – und Momente, in denen plötzlich etwas kippt.
Transformation passiert nicht geräuschlos. Aber sie passiert auch nicht als Schlagzeile.
Sie entsteht dort, wo Menschen beginnen, anders zu handeln.

Ich habe erlebt, wie aus vorsichtigen Gesprächen entschlossene Strategien wurden.
Wie aus Einzelakteur:innen Netzwerke entstanden. Wie aus Skepsis gemeinsame Energie wurde.
Und ich sehe heute eine enorme Durchschlagskraft – nicht, weil wir besonders laut waren, sondern weil wir Strukturen mitverändert haben.
Wenn ein Bürgermeister bei jeder Investitionsentscheidung automatisch fragt: „Wie wirkt sich das auf Wasserretention und Hitzeminderung aus?“
Wenn eine Universität sich nicht mehr nur als Wissensproduzentin versteht, sondern als aktiver Klimahub ihrer Region.
Wenn Kommunen beginnen, voneinander zu lernen, statt isoliert nebeneinander zu arbeiten.
Dann ist das kein Projektoutput mehr. Dann ist das kultureller Wandel.

Was mich am meisten beeindruckt, ist die gemeinsam generierte Energie.
Eine kollektive Kraft, die entsteht, wenn Menschen merken: Wir sind nicht allein mit dieser Aufgabe.
In Rumänien und in Tschechien habe ich erlebt, wie sich Verantwortungsgefühl multipliziert.
Wie sich Motivation überträgt. Wie Handlungsfähigkeit ansteckend wird.
Das ist die eigentliche Transformationskraft.
ELCA war nie nur ein Projekt. Es war ein Resonanzraum.
Ein Raum, in dem Ideen auf Praxis trafen. In dem Wissenschaft auf Verwaltung traf. In dem Krise auf Gestaltungswillen traf.
Und genau dort liegt der Impact. Nicht in der Projektlaufzeit. Nicht im Förderzeitraum.
Sondern in der strukturellen Verschiebung, die bleibt.
In Routinen, die sich verändert haben. In Netzwerken, die weiterarbeiten.
ELCA ist keine abgeschlossene Geschichte. Es ist ein System, das in Bewegung geraten ist.

Viola Helwig
– Project Management –
Dipl. Agr.-Biol.;
Internationale Projekte

ELCA: Climate Action and Resilience through Nature-Based Solutions

Europe is in the midst of a decade of profound climatic, ecological, and social transformations. Climate change, biodiversity loss, and increasing pressures on urban and rural infrastructures demand solutions that are more sustainable, effective, and equitable than those of the past. Within this complex context, EUKI project ELCA positions itself as a empowering hub at the intersection of climate policy, practical innovation, and local implementation capacity. ELCA brings together experts, municipalities, research institutions, and local stakeholders with the goal of rethinking climate action management for the long term – practice-oriented, evidence-based, and deeply embedded in regional structures.

by Viola Helwig, GNE

Read more: ELCA: Climate Action and Resilience through Nature-Based Solutions – EUKI 

🌱 COP30 – UN Climate Change Conference, Belém, November 2025 🌱

Vom 10.–21. November 2025 treffen sich Vertreter*innen aus aller Welt in Belém, Brasilien, um über Klimaziele, den Schutz von Wäldern, erneuerbare Energien und globale Klimagerechtigkeit zu diskutieren.

Wir teilen diese Informationen, weil einige Sitzungen live gestreamt werden und Lernenden sowie Interessierten weltweit die Möglichkeit bieten, internationale Klimadebatten direkt zu verfolgen.

Agenda & Schwerpunkte:

  • Nationale Klimabeiträge (NDCs): Erhöhung der Klimaziele auf 1,5 °C
  • Klimafinanzierung & Anpassung: Unterstützung besonders vulnerabler Regionen
  • Naturbasierte Lösungen & Biodiversität: Schutz von Wäldern und indigenen Gebieten
  • Energie & Dekarbonisierung: erneuerbare Energien, Energieeffizienz, nachhaltige Biokraftstoffe
  • Beteiligung & Gerechtigkeit: Jugend, indigene Gruppen und lokale Akteure

Lasst uns gemeinsam reflektieren, wie weit wir im transformativen Lernen vorangekommen sind: Welche Fähigkeiten, Kenntnisse und Handlungskompetenzen konnten wir entwickeln, um Wissen in konkrete Projekte, Kooperationen und selbstwirksames Handeln umzusetzen – lokal wie global?

Live-Streams & Zugang: https://unfccc.int/cop30

 

 

BBQ-Fest & Graduierungsfeier – Kohorte 2025 II

Am 26. November 2025 feiern wir unser traditionelles BBQ-Fest & die Graduierungsfeier der Kohorte 2025 II.
Freut euch auf Glühwein, Feuerschale, Musik und Tanz in stimmungsvoller Atmosphäre.

📍 Ort: GNE, Steinstraße 19, Witzenhausen
🕒 Zeit: 17:30 – 22:00 Uhr
📅 Rückmeldung bis: 14. November 2025

Wir freuen uns darauf, gemeinsam zu feiern und diesen besonderen Abend miteinander zu genießen!

Wenn die Natur hilft, ein widerstandsfähigeres Europa aufzubauen: Erfahrungen aus Südmähren finden in Aachen Anklang

Im Oktober wurde die Stadt Aachen zum europäischen Zentrum der Debatte über die Zukunft naturbasierter Lösungen (Nature-based Solutions, NBS).
Beim LAND4CLIMATE Mid-term Forum, das am 6. Oktober 2025 von der RWTH Aachen University ausgerichtet wurde, kamen Dutzende Expertinnen und Experten, Wissenschaftler, Vertreter von Kommunen sowie europäische Projektpartner zusammen. Gemeinsam suchten sie nach Antworten auf die Frage, wie sich NBS aus Pilotprojekten in die Breite von Politik und Praxis überführen lassen – und die Partner des EUKI-ELCA-Projekts waren mit dabei.

Die Atmosphäre war lebendig, interaktiv und von intensivem Austausch geprägt. Das Forum fand im Rahmen der NBS4EU Cluster Initiative statt, die sieben Projekte im Horizon-Europe-Programm miteinander verbindet. Die Eröffnungsrede hielt Professor Erik Andersson von der Universität Helsinki. Seiner Ansicht nach liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Zusammenarbeit vieler Akteure – von Wissenschaft und Stadtplanung bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern.
„Erfolgreiche naturbasierte Lösungen beruhen auf Partnerschaften zwischen vielen Beteiligten. Doch uns fehlt noch immer die stärkere Einbindung des Privatsektors. NBS sind dort besonders wirkungsvoll, wo sie zu einem gemeinsamen Anliegen werden – nicht nur eine technische Maßnahme, sondern ein Raum gemeinsamer Werte.“

Er betonte, dass Europa in den vergangenen Jahren erheblich in städtische NBS investiert und sich damit als globaler Vorreiter positioniert habe. Gleichzeitig wies er auf bestehende blinde Flecken hin: Die meisten städtischen Projekte konzentrieren sich auf neue oder umgestaltete Flächen, während der Schutz und die Wiederherstellung bestehender Ökosysteme oft übersehen werden. Darüber hinaus gefährden technologische und institutionelle Lücken die langfristige Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit vieler Vorhaben.

Von der Politik zur Praxis: Vier Themenblöcke

Nach der Plenarsitzung am Vormittag folgten vier parallele Themenforen, die zentrale Fragen der Umsetzung naturbasierter Lösungen behandelten:

  • Wirkungsnachweise und Skalierbarkeit von NBS – Wie lassen sich die Effekte naturbasierter Lösungen messen? In der Diskussion wurde deutlich, dass ohne hochwertige Daten und langfristiges Monitoring Entscheidungsträger nur schwer von ihren Vorteilen überzeugt werden können.
  • Räumliche Anforderungen von NBS – Welche Flächenbedarfe haben NBS? Wie lässt sich der Ausgleich zwischen Flächenschutz, Urbanisierung und Landwirtschaft gestalten?
  • Finanzierungsstrategien und politische Rahmenbedingungen – Wie können NBS finanziert und in politische Strategien eingebettet werden? Die Teilnehmenden waren sich einig, dass eine dauerhafte Finanzierung nur durch eine Kombination öffentlicher und privater Mittel möglich ist.
  • Herausforderungen bei der Umsetzung und Wege zu ihrer Überwindung – Was verhindert die breitere Anwendung von NBS in der Praxis? Die Hindernisse reichen von gesetzlichen Barrieren bis hin zu mangelnden lokalen Kapazitäten und fehlendem geteilten Wissen. 

Das abschließende Panel „From Projects to EU Cohesion Policy“ betonte, dass die EU-Kohäsions- und Strukturfonds naturbasierte Lösungen stärker berücksichtigen müssen – nur so können Pilotinitiativen zu systemischen Instrumenten der Regionalentwicklung werden.

Die tschechische Erfahrung: Wiederaufbau nach Tornado und Sturzfluten als Chance

Auch das tschechische Team des EUKI-ELCA-Projekts brachte seine Erfahrungen in die Diskussionen ein – unter anderem mit Einblicken aus Moravská Nová Ves, einer Gemeinde, die 2021 von einem verheerenden Tornado getroffen wurde. In Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung entwickelte die Organisation People in Need einen Klimaschutzplan, der naturbasierte Maßnahmen sowohl zur Wiederherstellung als auch zur Prävention zukünftiger Risiken nutzt – und dessen Umsetzung nun begonnen hat.

„Nach der Katastrophe wollten wir nicht einfach nur das Zerstörte wiederaufbauen – wir wollten etwas Widerstandsfähigeres schaffen“, sagte Jiří Fila, stellvertretender Bürgermeister von Moravská Nová Ves, der am Forum teilnahm. Das Projekt zeigt, dass die Verknüpfung von Biodiversität, Bürgerbeteiligung und Wirkungsbewertung naturbasierte Lösungen zu einer sozialen wie ökologischen Innovation macht.

Roman Klecker vom Hodonín-Büro von People in Need stellte in den Nachmittagsworkshops konkrete NBS-Maßnahmen zur Hochwasserprävention in Dolní Bojanovice vor und sprach über die Herausforderungen bei ihrer Umsetzung. Das Thema stieß bei den anwesenden Wissenschaftlerinnen und Forschern auf großes Interesse und führte zu angeregten Diskussionen sowie gemeinsamen Überlegungen zu neuen Lösungsansätzen. 
Insgesamt machte die Konferenz in Aachen deutlich, dass naturbasierte Lösungen keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern ein zentraler Pfeiler im Klimaschutz sind. Sie verbinden Wissenschaft, Innovation und die menschliche Dimension – und zeigen, dass die Zukunft europäischer Städte und Regionen mit der Natur gebaut werden kann, nicht gegen sie.

Author: Tereza Ocetková, Communication Coordinator, PIN

ENGAGEMENT WELTWEIT 2025 – Die Fach- und Jobmesse für internationale Zusammenarbeit

Am 22. November 2025 findet in Siegburg die 13. Auflage der ENGAGEMENT WELTWEIT statt – Deutschlands einzige Fach- und Jobmesse rund um internationale Zusammenarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Friedensarbeit. Studierende aller Fachrichtungen, Berufs- und Quereinsteiger*innen sowie erfahrene Fachkräfte können sich hier über Karrieremöglichkeiten, Qualifizierungen und aktuelle Trends in der EZ informieren.
Neben den Infoständen der verschiedenen Organisationen und Institutionen könnt ihr euch auf das spannende Rahmenprogramm zum Thema „Engagement Weltweit: Zusammenhalt und Transformation in herausfordernden Zeiten“ freuen! Jetzt informieren und Ticket sichern: http://www.engagement-weltweit.de

Treffen Sie uns auf der ENGAGEMENT WELTWEIT 2025 in Siegburg!

Am 22. November 2025 im Rhein Sieg Forum, Siegburg informieren wir über unsere praxisnahe Vollzeit-Weiterbildungen in der Entwicklungszusammenarbeit & Humanitären Hilfe / im internationalen und kommunalen Klimaschutz.

 

Unsere Programme verbinden 4 Monate Intensivseminare mit einem 8-wöchigen Praktikum oder Job und werden von erfahrenen Trainer*innen begleitet:

– Coordinator in International Project Management in DC (IPM)

– Coordinator in International Climate Protection & Adaptation in DC (CPA)

– Coordinator in Development Cooperation – Monitoring & Evaluation (M&E)

– Koordinator/in für Klimaschutz & Ressourcenmanagement (KUR)

– Koordinator/in für Erneuerbare Energien & Energiemanagement (KEE)

 

Unsere Weiterbildungsprogramme sind nach AZAV zertifiziert und können zu 100% durch Bildungsgutschein der Agenturen für Arbeit oder Jobcenter gefördert werden.


Nächster Programmstart: 3. November 2025 – 30. April 2026 (Präsenz in Witzenhausen, hybrid oder online).
Ein laufender Einstieg ist möglich.

Interessierte können sich jederzeit bewerben – bitte senden Sie ein kurzes Motivationsschreiben und Ihren Lebenslauf an info@gne-witzenhausen.de. Wir senden Ihnen gerne ein Bildungsangebot zu.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung und auf Ihren Besuch in Siegburg!

Naturbasierte Lösungen im Klimaschutz: LAND4CLIMATE erforscht in sechs Pilotregionen, wie Nature-Based Solutions (NBS), also naturnahe Lösungen, Klima Risiken mindern können

Das EU-Projekt LAND4CLIMATE untersucht in sechs Pilotregionen, wie Nature-Based Solutions (NBS) – naturnahe Maßnahmen wie Tiny Forests, Sponge Cities oder Küstendünen – Ursachen und Auswirkungen von Klimaextremen mindern können.
Die Maßnahmen nutzen natürliche Prozesse, um Risiken durch Hitzewellen, Überschwemmungen oder Küstenerosion zu reduzieren, und bringen gleichzeitig die gewünschten Co-Benefits: verbesserte Biodiversität, saubere Luft und Wasser, CO₂-Speicherung, Erholungsräume und Bildungsangebote.

Eine integrierte Bewertungsmethodik prüft die Wirksamkeit, Effektivität und Effizienz dieser NBS. Dabei werden ökologische, soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigt:
Risikominderung, Skalierung, öffentliche Akzeptanz, Zugang zu Natur, Gesundheitsvorteile sowie Lern- und Empowerment-Effekte in der Bevölkerung.
Die Wirkung wird modellgestützt über verschiedene Zeithorizonte bewertet – von der heutigen Situation bis zu Projektionen für 2031–2060 unter moderaten und starken Klimaszenarien.

LAND4CLIMATE liefert schon in der Halbzeit fundierte Empfehlungen für Politik und Praxis, um NBS langfristig wirksam, effizient und gesellschaftlich tragfähig zu gestalten.
Interessierte können mehr über die Pilotprojekte, wissenschaftliche Methoden und Co-Benefits erfahren – und die Ansätze vielleicht selbst erleben oder weiter erforschen.

Einladung zum Barcamp Renewables 2025

Liebe Energiewende-Interessierten,

zum 12. Mal findet im November das Barcamp Renewables rund um die Themen erneuerbare Energien und Energiewende in Kassel statt. Und wir würden uns freuen, euch mit dabei zu haben!

Ein Barcamp lebt von der Vielfalt seiner Teilnehmenden – oder im Barcamp-Sprech: Teilgebenden. Denn bei unserem Barcamp gibt es ein Motto, aber kein vorab feststehendes Programm. Stattdessen können alle, die möchten, einen eigenen Session-Vorschlag einbringen und das Programm wird gemeinsam zu Beginn des Barcamps abgestimmt. Die Spannung ist also hoch bis zuletzt.

Bei unserem diesjährigen Motto „Alle Hände für die Energie“ soll es um Teilhabe und Partizipation gesellschaftlicher Gruppen in der Energiewende gehen. Und hier seid ihr gefragt: Ist das ein Thema, was dich interessiert oder womit du dich beschäftigst? Kennst du jemand, dessen Perspektive in diesem Rahmen auch sichtbar sein sollte? Dann kommt gerne dazu:

Barcamp Renewables

  1. November ab 17:30 Uhr:

Auftaktveranstaltung im Gleis 1, Kulturbahnhof Kassel

  1. November 8:30 – 16 Uhr:

Barcamp in der SMA Solar Academy, Niestetal

Die kostenfreie Anmeldung und mehr Barcamp-Infos gibt’s hier: Barcamp Renewables

Das Barcamp Renewables ist eine Kooperationsveranstaltung von den Energiebloggern, dem deENet Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien e.V. und der SMA Solar Technology AG. Im Zentrum stehen Austausch & Networking rund um die Themen erneuerbare Energien und Energiewende. Eingeladen sind alle Energiewende-Interessierten – egal ob Vertreter*innen aus Unternehmen und Organisationen, Blogger*innen und Multiplikator*innen oder interessierte Privatleute. Dank unserer Sponsor*innen – darunter auch die GNE Witzenhausen – ist das Barcamp für alle Teilgebenden kostenfrei!