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ELCA-Studienreise nach Niederösterreich und Wien: Klimaschutz gemeinsam gestalten

Im Rahmen des ELCA-Projekts der European Climate Initiative (EUKI) fand am 19. und 20. März eine zweitägige Studienreise nach Niederösterreich und Wien statt.
Ziel der Exkursion war es, praxisnahe Einblicke in kommunale Klimaschutzmaßnahmen, nachhaltige Stadtentwicklung sowie innovative Ansätze im Bereich erneuerbare Energien zu gewinnen.
Die Studienreise wurde vom tschechischen Projektpartner People in Need organisiert, während das Team Adapterra der Stiftung Partnerschaft die inhaltliche Gestaltung übernahm. Teilgenommen haben vor allem Stakeholder aus der südmährischen Region – darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kleiner Gemeinden, Mitarbeitende aus Verwaltung, Grünflächenmanagement und Regionalentwicklung sowie Vertreterinnen verschiedener NGOs.

Die Reise begann am Donnerstagmorgen mit der gemeinsamen Anreise aus Hodonín und Břeclav. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde führte die erste Station nach Mistelbach. Dort stellte der KLAR!-Manager Johannes Selinger die regionale Klimawandel-Anpassungsstrategie vor. Besonders im Fokus standen konkrete Maßnahmen wie ein „grüner“ Busbahnhof sowie Begrünungskonzepte nach dem Prinzip der Schwammstadt, die zur Verbesserung des Mikroklimas und zur besseren CO2 und Wasserspeicherung beitragen.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe Wolkersdorf im Weinviertel, eine Gemeinde, die seit über 30 Jahren konsequent auf erneuerbare Energien setzt. Unter der Leitung von Gemeinderat Christian Schrefel erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die lokale Energieinfrastruktur, darunter eine Windkraftanlage, Photovoltaikanlagen sowie die Kläranlage. Wolkersdorf gilt heute als Energiepionier in Österreich: Bereits seit den 1990er Jahren investiert die Gemeinde in Windenergie und Biomasse, während in den letzten Jahren der Ausbau der Photovoltaik stark vorangetrieben wurde. Bis 2030 sollen 15 MWp installiert werden – ein Ziel, das bereits zu rund 86 % erreicht ist.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die aktive Einbindung der Bevölkerung. Durch Bürgerbeteiligungsmodelle, etwa bei gemeinschaftlich finanzierten Solaranlagen, konnten bereits über 300 Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden. Ergänzend dazu wurde 2022 eine lokale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft gegründet, die seit 2023 Strom aus Photovoltaik und Windenergie regional verteilt. Mit dem politischen Beschluss, bis 2040 klimaneutral zu werden, verfolgt Wolkersdorf einen integrierten Ansatz, der Energieproduktion, Speicherung, Beratung und Bürgerbeteiligung miteinander verbindet.

Bild: Gut genutzt und fair bepreist:
die E-Tankstelle in Wolkersdorf im Weinviertel.

Am späten Nachmittag führte die Exkursion weiter nach Böheimkirchen, wo ein innovatives Beispiel nachhaltiger Flächennutzung vorgestellt wurde. Ein begrünter Schutzstreifen mit Naturgarten entlang von Wohnanlagen – ehemals landwirtschaftlich genutzt – zeigt, wie ökologische Aufwertung und Aufenthaltsqualität im Siedlungsraum miteinander verbunden werden können. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen und intensivem fachlichen Austausch.

Der zweite Tag begann mit einem weiteren Projekt in Böheimkirchen/Michelbach, bei dem die Revitalisierung eines Baches mit der Schaffung von Retentionsflächen sowie einer Erholungs- und Kühlzone kombiniert wurde. Solche Maßnahmen gewinnen angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse zunehmend an Bedeutung.

Bild: Großzügig angelegte Retentionsräume am Michelbach in Niederösterreich

 

Bild: Künstliche Mäandrierung oder Laufaufweitung mit Strukturelementen

Anschließend reiste die Gruppe nach Vienna. In Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Wien fand ein geführter Stadtspaziergang statt, bei dem verschiedene Maßnahmen zur klimafitten Stadtentwicklung vorgestellt wurden. Vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße bis zum Esterházypark erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Pflege und Bewässerung von Straßenbäumen, die Nutzung von Regenwasser sowie die Gestaltung urbaner Kühlräume.

Bild: Grüne Infrastruktur in Wien: Frühling und Klimaanpassung im urbanen Raum

Weitere praxisnahe Beispiele boten Projekte zur Förderung der Biodiversität im städtischen Raum. Dazu zählen Bürgerpflanzungen entlang von Straßen sowie sogenannte „Mini-Wälder“, die zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen, CO₂ binden und neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.

Bild: Erkundung eines städtischen Mini-Wäldchens in Wien – ein Beitrag zu grünen Oasen und Artenvielfalt

Am späten Nachmittag trat die Gruppe die Rückreise nach Břeclav und Hodonín an.

Fazit:
Die Studienreise verdeutlichte eindrucksvoll, wie vielfältig kommunale Ansätze im Klimaschutz und in der Klimaanpassung sein können. Besonders deutlich wurde die Bedeutung integrierter Strategien, die technische Lösungen mit Bürgerbeteiligung und langfristiger Planung verbinden. Der Austausch zwischen den Teilnehmenden sowie die praxisnahen Beispiele vor Ort lieferten wertvolle Impulse für die weitere Zusammenarbeit im Rahmen des ELCA-Projekts und darüber hinaus.